Hans Jürgen GärtnerDie Entwicklung kam überraschend und unerwartet. Schon bei ersten Gesprächen zwischen dem LOBIKO-Vorsitzenden Hans Jürgen Gärtner und Vertretern der CADELU-Kirche in der Landeshauptstadt Kinshasa stand die Frage im Vordergrund, welche Strukturen LOBIKO vor Ort schaffen könnte, um bei zukünftigen Projektkooperationen besser repräsentiert zu sein und eine intensivere Projektbegleitung gewährleiten zu können. Pastor Bokombe, Leiter des CADELU-Kirchenkreises in Kinshasa, schlug dabei vor, kompetente Menschen als Repräsentanten von LOBIKO zu gewinnen und mit der Überwachung der Projekte zu beauftragen. Von da bis zur Idee, dass diese Repräsentanten ebenso gut Mitglieder von LOBIKO werden könnten, war es nur noch ein kleiner logischer Schritt. Im weiteren Verlauf der Reise in das Innere der Demokratischen Republik Kongo nahm diese Idee immer weiter Gestalt an. In Basankusu schließlich wurde der Gedanke in einer Versammlung der CADELU-Kirche zur Sprache gebracht und spontan zeigten sich fast 10 Personen an einer Mitgliedschaft interessiert. Damit ist ein neuer Entwicklungsschritt in der noch jungen Vereinsgeschichte gemacht, denn Mitglieder sind nicht nur Empfänger deutscher Projektgelder, sondern selber in der Verantwortung, zur Vereinsentwicklung beizutragen.

Die Nagelprobe hierfür ist die Frage des Vereinsbeitrages, der zurzeit für Einzelpersonen in Europa 20 Euro beträgt. Alle waren sich darin einig, dass es für Nicht-Deutsche grundsätzlich keinen ermäßigten Beitrag geben solle. Lediglich der Einfachheit wegen wurde der Mitgliedsbeitrag für Mitglieder außerhalb Europas auf 20 US-Dollar festgelegt. „Das ist unser Verein, der für uns da ist“, sagte ein Neumitglied in Basankusu, „warum sollten dann Europäer mehr zahlen als wir selber?“ Nun galt es zu improvisieren: Rasch wurden von der Vereinswebsite Mitgliedsanträge herunter geladen, kopiert und verteilt. Innerhalb kürzester Zeit waren dann 7 Neumitglieder geworben. Darunter nicht nur Mitglieder der CADELU-Kirche! Désiré Safari, ein Berater für Entwicklungsprojekte der CADELU, der selber aus dem Ost-Kongo stammt und dort einer Baptistischen Kirche angehört, fand die Idee so gut, dass auch er spontan beitrat und bereit war, den Verein vor Ort auch aktiv durch seine Mitarbeit zu unterstützen. Auch John-Wesley Kabango, Leiter der Abteilung Afrika der Vereinten Evangelischen Mission und selber Ruander, wollte diese Entwicklung unterstützen und erklärte seine Mitgliedschaft. Einige Tage später trafen sich die Neumitglieder von LOBIKO und wählten aus ihrer Mitte drei Kontaktpersonen für den Vereinsvorstand: Peter Imponge, Schatzmeister der CADELU, Désiré Safari und Béatrice Lombo, Leiterin der Abteilung für Gesundheit der CADELU.

„Jetzt ist unser Anspruch, auf Augenhöhe miteinander zusammen zu arbeiten, wirklich umgesetzt“, freut sich der LOBIKO-Vorsitzende Gärtner. Der Verein ist nun nicht nur international tätig, sondern selber international. Was das für die Vereinssatzung und die interne Arbeit bedeutet, muss die Zukunft zeigen. Sicherlich müssen hier Änderungen vorgenommen werden, damit alle Mitglieder auf einer Mitgliederversammlung auch repräsentiert sein und ihr Stimmrecht ausüben können. Aber wichtiger als solche technischen und juristischen Fragen ist der interne Kulturwandel, der mit den neuen Mitgliedschaften eingeläutet wurde. „Wir als Afrikaner haben uns LOBIKO zu eigen, zu unserer eigenen Sache gemacht“, erklärt Peter Imponge, „und das ist ein ganz wichtiger Schritt, damit LOBIKO in Zukunft Erfolg haben kann.“